„Frauen traut euch, KI ist kein Zauberwerk“

Ein Interview mit Olga Lysak, Business Development Manager bei Lemberg Solutions

 

Olga Lysak ist Business Development Manager und die Hamburger Standortleiterin von Lemberg Solutions. Sie begeistert sich für KI-Technologien und engagiert sich auch in unserer KI-Initiative AI.HAMBURG. 


 

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Olga, du bist heute Business Development Manager für Lemberg Solutions und befasst dich schwerpunktmäßig mit KI-Themen. Wie bist du zur IT und zur KI gekommen?
Olga Lysak: Ich habe internationale Wirtschaft studiert, sowohl in Lemberg (Ukraine), als auch in Bremen. Danach war ich primär im internationalen Marketing und Management tätig, bis ich mich vor zehn Jahren selbständig gemacht habe. In meiner Selbständigkeit habe ich deutsche Firmen, die in der Ukraine tätig sein wollten, oder umgekehrt, ukrainische Firmen in Deutschland beraten. Außerdem habe ich ein E-Commerce Projekt mitgegründet, und hatte u.a. auch viel mit Entwicklern zu tun. Ich war schon immer offen für neue Themen. Als Lemberg Solutions im Juni 2020 auf mich zukam und angeboten hat, die Firma in Norddeutschland zu vertreten und sich mit KI-Themen zu befassen, fand ich das total spannend und habe zugesagt. 

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Was genau ist deine Tätigkeit bei Lemberg Solutions?
Olga Lysak: Ich bin für die Entwicklung unseres Geschäfts primär im norddeutschen Raum zuständig. Lemberg arbeitet seit Jahren für deutsche Firmen, wollte aber gerne, dass es einen Ansprechpartner vor Ort für die Firmen gibt. Ich habe mein Büro in Hamburg und unterstütze von hier aus sowohl neue Kunden als auch bestehende. Ich versuche vor allem unsere KI-Expertise auf dem deutschen Markt voranzutreiben, bin aber auch für unsere Digital Services und IoT-Projekte zuständig.

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Was fasziniert dich an dem Thema KI?
Olga Lysak: Ich bin der Meinung, dass KI uns in vielen Fragen, das Leben einfacher machen kann und man sollte dies nutzen. Man kann z.B. mithilfe von KI ziemlich genau prognostizieren, wie die Verkäufe in einem Fleischgeschäft an einem bestimmten Tag ablaufen werden, um Abfälle zu minimieren. Man kann mit KI defekte Produkte in einer Charge bei der Produktion ermitteln und dadurch vermeiden, dass eine komplette Charge reklamiert und zurückgeschickt wird. Man kann mit KI und Computer Vision sogar das Gewicht von Schweinen ermitteln, ohne diese auf die Waage zu zwingen und Stress zu erzeugen. Diese Vielfalt der Möglichkeiten und Themen auf meinem Arbeitstisch fasziniert mich so sehr.

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Welches sind für dich die wichtigsten Themen bzw. Bereiche, in denen KI zukünftig eingesetzt werden sollte. Wo siehst du die meisten Potenziale?
Olga Lysak: Da wir in Deutschland leben und hier die Industrie eine wichtige Rolle spielt, denke ich, dass der KI-Einsatz in den Fabriken bei der Produktion sehr viel bringen könnte. Auch der Pflegebereich bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Man kann die Patienten mithilfe von KI fernüberwachen (z.B. Husten oder Atmen abhören und Warnsignale senden) oder mithilfe von Sensoren Windeln nach Bedarf und nicht nach Plan wechseln. Oder in Krankenhäusern kleine Roboter einsetzen, die Essenswünsche abfragen, und dadurch enorm die Krankenschwester entlasten.

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Du kommst aus der Ukraine, hast in Bremen studiert und lebst und arbeitest inzwischen in Hamburg. Welches sind für dich die größten Unterschiede zum Arbeiten in der Ukraine und in Deutschland? Gibt es überhaupt welche?
Olga Lysak: Ja, du hast Recht, Petra, dass ich in beiden Ländern Erfahrung sammeln durfte. Wenn man die IT-Branche nimmt, gibt es meiner Meinung nach, kaum Unterschiede. Vielleicht weil die meisten Auftraggeber aus dem Ausland kommen und die ukrainischen Entwickler sich deren Arbeitsweise angepasst haben. Was andere Branchen betrifft, finde ich, dass die Ukrainer weniger auf Planung, sondern mehr auf Kreativität und günstige Umstände setzen.

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: In Deutschland liegt die Quote von Frauen, die in IT-Berufen arbeiten, bei rund 16%. Die Tendenz ist zwar leicht steigend, doch noch immer studieren nur rund 20% Frauen Informatik. Was müssen Arbeitgeber, Schulen und die Gesellschaft deiner Meinung nach tun, dass sich mehr Frauen für ein Studium oder einen Beruf im Bereich Informatik entscheiden?
Olga Lysak: Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass ein Informatikstudium nicht für alle Berufe in der IT-Branche nötig ist. Ich habe ja selber keine Informatik studiert und arbeite trotzdem in der IT. Es gibt Business Development Manager, Projekt Manager, Ressourcen Manager etc. Heutzutage ist auch viel Wissen online verfügbar. Ich habe Bekannte, die sich Python mithilfe von Online-Studien beigebracht haben. Ich selber habe ein 2-monatiges AI Product Manager Studium bei udacity absolviert und habe dort u.a. gelernt, wie man die Daten richtig kennzeichnet und KI-Modelle trainiert. Gleichzeitig denke ich, dass wir bereits im Kindergarten- und Schulalter anfangen sollten, Mädchen für Technik zu begeistern. Warum sollte man ihnen nicht einfach mal Roboter oder LEGO schenken? Wichtig wäre, dass die Mädchen sich für MINT-Fächer bereits in der Schule begeistern können. Solche Einrichtungen und Programme, wie Logiscool, +MINT, Haba Digitalwerkstatt helfen da ungemein.

Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Was empfiehlst du Frauen, die in die IT einsteigen wollen?
Olga Lysak: Wenn man sich als Frau für IT interessiert und aus dem Studium bereits raus ist, kann man entweder einen Online-Studiengang buchen oder mit einem Online-Kurs anfangen. Es gibt viele preiswerte Varianten auf udacity, coursera, udemy etc. Man kann sich viel selbst beibringen. In Hamburg gibt es viele nützliche meetups, wo man Gleichgesinnte findet und eventuell auch Tipps, wie es weiter geht und wo man den ersten Job finden kann. Bei der Hacker School in Hamburg gibt es ganz tolle Kurse für Mädchen und Frauen. Frauen, traut euch – IT und KI sind kein Zauberwerk. Man muss damit nur anfangen.
Petra Carlsen/Hamburg@work Women's Club: Vielen Dank, Olga, und weiterhin viel Erfolg bei all deinen beruflichen und auch privaten Vorhaben.


“Female Diversity“ ist ein wichtiges Thema bei Hamburg@work: Auf Initiative von Petra Carlsen und weiteren weiblichen Führungskräften aus dem Netzwerk von Hamburg@work gründete sich 2016 unser Women’s Club. Unter der Überschrift „Female Leadership“ bietet der Women’s Club weiblichen Fach- und Führungskräften eine Plattform, auf der sie sich vernetzen, austauschen, ihr Fachwissen vergrößern und teilen können. Dazu lädt Hamburg@work regelmäßig zu Veranstaltungsformaten wie dem BusinessBreakfast und dem Women Entrepreneur Lunch ein, an denen bis zu 50 Teilnehmerinnen zusammenkommen und initiiert jährlich den Kongress Women's Club SPECIAL. Zudem wurde 2021 das digitale Format Women's Club | Dialog ins Leben gerufen, um unter dem Motto „Erzähl uns deine Geschichte“ auf die Power-Frauen aus dem Hamburg@work Netzwerk, die die Digitalisierung vorantreiben und nachhaltig prägen, aufmerksam zu machen.

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