Warum sich der Mut zur Veränderung lohnt!

Ein Interview mit Julia Zillmer, strategische Designerin
 

Julia Zillmer ist strategische Designerin. Sie unterstützt bei der Gestaltung von Marken, Strategien und Businesstransformationen. Ihr Fokus liegt auf Co-Creation. Sie begleitet und moderiert diziplinübergreifende Teamarbeit, leitet kreative analytische Designprozesse und Nutzerperspektiven Forschung an. 

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Julia, du bist heute strategische Designerin und unterstützt deine Kunden bei der Gestaltung von Marken, Strategien und Business-Transformationen. Bitte erzähl uns etwas mehr darüber.
Julia Zillmer: Als strategische Designerin treibe ich Design- und Experience-Strategien inhaltlich voran. Ich gestalte, manage und moderiere kreative Prozesse und Designprojekte im Kontext von Kommunikation, Transformation und Innovation. Mein Playbook beinhaltet User Research, Innovation Sprints, Design Thinking Workshops. In der Rolle als Design Thinking Coach begleite ich multidisziplinäre Teams durch Co-Creation-Prozesse und befähige Mitarbeiter, Auftraggeber und Stakeholder in kreativ analytischem und nutzerzentriertem Denken. So werden sie selbst zum aktiven Gestalter des Prozesses, denn ganzheitliches interdisziplinäres Wissen und Denken sind das Gebot der Stunde. Die Rolle des Designers verändert sich dabei immer stärker zum Begleiter und Moderator von nutzerzentrierten Prozessen. Startpunkt einer guten User Experience sind die Kundenbedürfnisse. Design Research und nutzerzentrierte Forschung sind das Herzstück meiner Arbeit, welche mit tiefem Einfühlungsvermögen und dem Verständnis der Bedürfnisse und Motivationen von Menschen und Gemeinschaften beginnt. 

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club:
 Auf dem Weg zu deinem aktuellen Beruf hast du einige spannende Stationen durchlaufen ...
Julia Zillmer: Der rote Faden in meinem Leben ist DESIGN und RESEARCH. Nach erfolgreichen Stationen bei Designagenturen wie Peter Schmidt, Medien- und Verlagshäusern wie Gruner & Jahr und als Gründerin und Geschäftsführerin eines eigenen Unternehmens für Wohntextilien und Accessoires bin ich 2018 zu einer Learning Journey aufgebrochen, die ich unter das Motto 'Von Kreation zu Innovation' gestellt habe. Mein Ziel war das Erwerben zukunftsrelevanter Fähigkeiten, um in Zukunft im Kontext von Kommunikation, Transformation und Innovation als Designer am Markt erfolgreich neue Maßstäbe zu setzten. Angefangen habe ich mit Zertifizierungen als Scrum Master und Produkt Owner. Mein besonderes Interesse für kreative agile Methoden und Fähigkeiten hat mich schließlich hin zu Innovationsentwicklung und Design Thinking geführt. 2019 habe ich mich für ein 1-jähriges Zertifizierungsprogramm für Design Thinking Coaches am Hasso Plattner Institut (HPI) eingeschrieben. Design Thinking ist ein Mittel, um kreative Prozesse in die Sprache des Managements zu übersetzen und schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen gemeinsam technisch machbare, profitable und nutzerrelevante Lösungen entwickeln können. 

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: So ein Richtungswechsel ist sehr mutig. Was hat dich angetrieben bzw. was war der Auslöser dafür?
Julia Zillmer: Machen wir uns nichts vor. Als dreifache Mutter kommt man viele Jahre beruflich nur mit angezogener Handbremse voran. Der berühmte Spagat zwischen Kindern und Karriere. Als Kreative hatte ich immer die Möglichkeit freiberuflich zu arbeiten, so bin ich stets beruflich am Ball geblieben, aber als berufliche Kariere würde ich das nicht betiteln. In diesen Jahren ist meine Ehe gescheitert und das hat mich ziemlich wachgerüttelt. Finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit spielten plötzlich eine übergeordnete Rolle und haben mich angetrieben meine beruflichen Interessen wieder in den Vordergrund zu stellen. Aber die Umsetzung war dann alles andere als einfach. Es ist nicht so, dass alle 'Juchu' rufen, wenn du dich mit Ende 40 bewirbst. Ein guter Freund, Geschäftsführer einer großen Digitalagentur, gab mir den Anstoß, mich mit digitaler Transformation, agilen Prozessen und Methoden zu beschäftigen. „Schon mal was von Scrum gehört?“ – Diese Frage war der Beginn meiner 2-jährigen spannenden und lehrreichen Learning Journey, für die ich heute unglaublich dankbar bin.

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Als Mutter von drei Kindern bist du nicht nur beruflich in einer sehr gefragten und herausfordernden Position. Wie hast du deine Verpflichtungen als Mutter und die Zeit der Umorientierung und Weiterbildung unter einen Hut gebracht?
Julia Zillmer: Irgendwie geht’s immer. Meine Kinder sind mittlerweile im Teenager-Alter, der Älteste ist gerade 19 geworden und die Jüngste 14. Alle sind sehr selbständig und zuverlässig. Als Mutter bin ich sozusagen aus dem Gröbsten raus. Das erleichtert vieles. Wenn es zeitlich mal eng wird, dann packen alle mit an und da wird dann auch mal ein Auge zugedrückt. Ich koche gerne und gut, aber dann gibt es halt für ein paar Tage nur Fertigpizza und der Hund muss sich mit Teenie gerechten Gassi-Runden zufrieden geben. Wir sind eine gut funktionierende Patchwork-Familie. Auch meine 1-jährige Design Thinking Ausbildung am Hasso Plattner Institut und das Pendeln zwischen Berlin und Hamburg haben alle unterstützt.

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Was hat dich in dieser Zeit darin bestärkt, dass du auf dem richtigen Weg bist? 
Julia Zillmer: Ich habe viel recherchiert, gelesen und zugehört, regelrecht studiert. Ich persönlich suche stets das offene Gespräch, den persönlichen Austausch mit interessanten Gesprächspartnern, die mich inspirieren und von den ich lernen kann. Dabei war ich mir nicht immer sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Die Ausbildung zum Scrum Master und Produkt Owner haben zwischenzeitlich schon heftige Zweifel in mir aufkommen lassen den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Ich fühlte mich ziemlich verloren, so weit entfernt von jeglicher Kreativität. Aber ich war gesprungen und nun hieß es weiterschwimmen. Mein inneres Gefühl sagte mir, dass dieser Weg richtig ist und ich bin dabei sehr zielorientiert vorgegangen. Am Ende waren es viele einzelne Puzzleteile, die erst nach und nach das für mich passende Bild ergeben haben. Mein Mut, Neugierde, Offenheit und Ausdauer haben mir dabei geholfen sich neuen Herausforderung zu stellen und an ihnen zu wachsen.

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Was hast du auf deinem Weg erlebt, welche Stolpersteine sind dir vor die Füße gefallen und was hat dir Flügel verliehen?
Julia Zillmer: Ich bin auf meinem Weg tollen, interessanten und freundlichen Menschen begegnet, die sich Zeit für einen Austausch genommen haben. Aber viele Türen blieben auch verschlossen und einige Kröten musste ich schlucken. Ich habe eine Menge Absagen kassiert. Es mit den Toptalents in der Digital-Branche aufzunehmen, den Digital Natives, erfordert Standhaftigkeit. Auch der Aufbau des passenden Netzwerks und guter Kontakte ist ein langwieriger Prozess. Mein absoluter Tiefpunkt war ein Interview mit dem jungen Kreativteam einer Innovationsagentur – Durchschnittsalter zwischen 24 und 30 Jahren – das mir immerhin ein Praktikum angeboten hat. Auf den Rückruf warte ich allerdings noch heute ... „Flügel verliehen“ hat mir mein Studienjahr am HPI. Design Thinking erfordert ein agiles Mindset. Dieser verbindende Spirit und die internationale, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit so vielen interessierten und klugen Köpfen war außergewöhnlich und prägend.

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Was war dein größtes Learning und warum würdest du den Frauen des Hamburg@work Women's Club raten, Mut zum Change zu haben?
Julia Zillmer: Es gibt viele tolle Frauennetzwerke und Veranstaltungen, die von Frauen für Frauen organisiert werden, aber man kann sich darin auch verzetteln. Daher ist es besser sich auf eine bis zwei Organisationen zu fokussieren, diese zu pflegen und aufzubauen. Es gibt zum Beispiel die #DMW Digital Media Woman, den BPW Club, das Format „Working out Loud“ und natürlich den Hamburg@work Woman's Club. Einige bieten Mentoring-Programme an, welche sehr hilfreich sind, wenn es um das Erlernen von Praxiserfahrung geht. Es braucht Eigenmotivation und Interesse am Erkunden neuer Themenfelder und vor allem eine große Offenheit gegenüber dem Begriff Digitalisierung. Dabei sollte man sich nicht von Alter, Qualifizierungen und Ausbildungskosten abschrecken lassen. Die Agentur für Arbeit verfügt z.B. über ein sehr freundliches, qualifiziertes Beratungsteam und bietet oft unerwartete Förderungsmöglichkeiten.  

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Wie geht es dir heute und wie sehen deine nächsten Schritte aus?
Julia Zillmer: Ich bin stolz auf das, was ich in den vergangenen zwei Jahren bewegt, dazugelernt und erreicht habe. Die Pandemie hat meinen Zeitplan und das Ziel „meine PS auf die Straße zu bringen“ sichtlich erschwert. In gewisser Weise habe ich meine persönliche digitale Transformation durchlebt, mich neu orientiert, qualifiziert und vernetzt. Jetzt liegt mein Fokus darauf „ins Doing“ zu kommen und durch Praxiserfahrung besser und besser zu werden. Dafür muss man seinen persönlichen USP herausarbeiten, den roten Faden finden, der das Neue mit dem Alten verbindet und eine gute Story entwickeln. Mein Herz schlägt für kreative Prozesse und Markenentwicklung, darin liegt meine Stärke. Systemisch und analytische Arbeitsprozesse ergänzen mein Portfolio. Aktuell gestalte ich meine Webseite, dass wird die Kunden- und Projektakquise vereinfachen.

Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Verrate uns doch noch zum Schluss: Warum hast du Hamburg@work als dein Netzwerk gewählt?
Julia Zillmer: Ich bin auf meiner Suche nach dem passenden Netzwerk relativ schnell auf Hamburg@work gestoßen. Der Hinweis kam über die Hamburger Handelskammer. Ich habe mich bei der Netzwerk-Recherche auf Hamburg konzentriert. Durch den regelmäßigen Hamburg@work Newsletter konnte ich schnell einen Eindruck gewinnen über die Community und das Angebot an Veranstaltungen. Ich fühlte mich ganz besonders vom Woman‘s Club angesprochen. Mein erster Veranstaltungsbesuch war das Hamburg@work BusinessBreakfast im Genuss Speicher in der Speicherstadt. Es war ein beeindruckend offenes und freundliches Miteinander und aus der ersten Veranstaltung haben sich für mich direkt zwei interessante Kontakte entwickelt. Mich spricht die Mischung aus Persönlichkeit und Berufsbranchen und das gemeinsame Interesse für Digitalisierung an. Das Team von Hamburg@work ist sehr bemüht seinen Mitglieder ein besonderes Umfeld für Austausch und spannenden Formate anzubieten. Der richtige Mix aus einem offenem, menschlichen Miteinander und Professionalität. 
Katrin Engelbrecht/Hamburg@work Women's Club: Vielen Dank Julia für den interessanten Einblick in dein Leben. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg!


“Female Diversity“ ist ein wichtiges Thema bei Hamburg@work: Auf Initiative von Petra Carlsen und weiteren weiblichen Führungskräften aus dem Netzwerk von Hamburg@work gründete sich 2016 unser Women’s Club. Unter der Überschrift „Female Leadership“ bietet der Women’s Club weiblichen Fach- und Führungskräften eine Plattform, auf der sie sich vernetzen, austauschen, ihr Fachwissen vergrößern und teilen können. Dazu lädt Hamburg@work regelmäßig zu Veranstaltungsformaten wie dem BusinessBreakfast und dem Women Entrepreneur Lunch ein, an denen bis zu 50 Teilnehmerinnen zusammenkommen und initiiert jährlich den Kongress Women's Club SPECIAL. Zudem wurde 2021 das digitale Format Women's Club | Dialog ins Leben gerufen, um unter dem Motto „Erzähl uns deine Geschichte“ auf die Power-Frauen aus dem Hamburg@work Netzwerk, die die Digitalisierung vorantreiben und nachhaltig prägen, aufmerksam zu machen.

Wir suchen immer Expertinnen, Innovatorinnen und Interview-Partnerinnen im Digitalisierungskontext, die sich im Hamburg@work Women's Club engagieren wollen. Du fühlst dich angesprochen und möchtest dabei sein? Los geht's! Katrin, die Managerin des Hamburg@work Women's Club, freut sich auf deine Nachricht.