Hamburg als digitaler Vorreiter des Nordens
Ein Nachbericht zur DIGITAL X NORTH 2019
 

Mit seinem Hafen steht die Hansestadt für Bewegung, Fortschritt, Internationalität - und für die Digitalisierung: Denn der Hamburger smartPORT mit seinen Unterwasserdrohnen, autonom fahrenden Lastwagen und der papierlosen Zollabwicklung ist ein Vorzeigeobjekt der digitalen Transformation. Digitale Vernetzung und 5G-Anwendungen kommen hier früher als anderswo zum Einsatz. Neben der digitalen Transformation des Hafens verfolgt Hamburg weitere Digitalisierungsprojekte wie beispielsweise die Open Online University mit Bildungscloud, smarte Verkehrssysteme mit halb- und vollautonomen Fahrzeugen sowie die Einführung einer digitalen Verwaltung (Lesen Sie hierzu auch unser Interview mit Staatsrat Jan Pörksen).

Auch bei der Digitalisierung des Mittelstands spielt die Hansestadt ganz vorne mit. Jeder zweite Mittelständler hat die digitale Transformation fest in der Geschäftsstrategie verankert. Ambitionierte Ziele, die vor allem auf eines bauen: Digitale Kompetenz der Mitarbeiter. Diese erwächst aus einem generations- und branchenübergreifenden Wissenstransfer – und genau darum ging es bei der DIGITAL X NORTH am 04. Juni in Hamburger Fischauktionshalle. Dort begrüßte Michael Looschen, Leiter Marketing und Kommunikation Geschäftskunden der Telekom, über 1.500 Vertreter norddeutscher Unternehmen auf der Veranstaltung von Europas größter digitaler Initiative. Hamburg@work war als lokaler Partner der Veranstaltung selbstverständlich vor Ort und hat mitgesprochen – schließlich ging es um die digitale Zukunft des Nordens!

Digitalisierung ist eine Haltung!

Dr. Peter Tschentscher, erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, benannte die aktuell wichtigsten digitalen Projekte der Metropole: „Hamburg ist auf dem Weg zur Digitalen Stadt: Alle staatlichen Schulen sind bereits an das Glasfasernetz angeschlossen. Im Hafen wird der neue Kommunikationsstandard 5G erprobt. Rund um unsere Messe entsteht eine Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren im realen Straßenverkehr. Wir sind Vorreiter der Digitalisierung in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.“

Beste Voraussetzungen also, um in Hamburg über Trends und die digitale Zukunft des Nordens zu diskutieren. Wie vielseitig die ist, zeigte die Podiumsdiskussion. Hier trafen Sprecher aus den Bereichen Mittelstand, Künstliche Intelligenz und Forschung zusammen. Im Fokus der Diskussion stand „the digital mindset“, denn – in diesem Punkt waren sich alle einig – die Digitalisierung ist neben der Technik vor allem eine Haltung. Sie beruhe auf Kommunikation, Veränderung und Wertewandel. Netzwerke, die über Branchen und Unternehmen hinaus reichen, seien dabei entscheidend. Nur wer Ideen regelmäßig mit anderen austauscht, gebe Innovation eine echte Chance, lautete das Credo. 

Hamburg@work: Digitalisierung gemeinsam gestalten

Der Austausch zwischen Startups, regionalen Organisationen und etablierten Unternehmen ist ein wichtiger Teil der DIGITAL X. So trafen in der Fischauktionshalle innovative Ideen aus dem Norden auf die Erfahrung weltweiter Digital-Marken wie Samsung, Cisco oder Telekom. Als das branchenübergreifende Netzwerk für alle Unternehmen, die digitale Transformation aktiv umsetzen, war das Digitalcluster Hamburg@work neben der Handelskammer Hamburg regionaler Partner der Veranstaltung.

Uwe Jens Neumann spricht auf der Digital X North 2019

Was macht der Digitale Wandel mit uns? Welche neuen Methoden müssen wir kennen und vor allem auch einführen, um innovationsfördernde Prozesse in die mittelständische Unternehmenskultur zu integrieren? Wie wollen wir hierarchieübergreifend alle Beteiligten abholen und motivieren mitzumachen? Diese und viele weitere Fragen versucht Hamburg@work gemeinsam mit seinen Mitgliedern zu beantworten. Die Vision besteht darin, Expertise für die Digitalisierung unternehmerischer Kernprozess zu bündeln und somit eine Plattform für generations- und branchenübergreifenden Wissenstransfer im Kontext der digitalen Transformation zur Verfügung zu stellen. Denn die wenigsten Organisationen werden die mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen allein bewältigen können. „Was wir brauchen sind neue Formen der Zusammenarbeit - auch und gerade zwischen Wettbewerbern. Nur mit Standardisierung, Koopkurrenz und dem offenen Austausch in Netzwerken können wir es mit den Herausforderungen, die aus den Wechselwirkungen zwischen Technik, Unternehmen, Arbeitswelt, Gesellschaft und staatlichem Wirken erwachsen, aufnehmen“, sagte Uwe Jens Neumann, Vorsitzender von Hamburg@work, auf der Digital X North. Das Fazit seines Vortrags lautete: „In jedem einzelnen Feld gibt es Menschen, die uns helfen können, die digitale Transformation zu meistern – wir möchten diese Menschen zusammenbringen und gemeinsam die Digitalisierung gestalten!“  

Von den besten lernen

Insgesamt präsentierten rund 30 Referenten ihre Ideen für eine vernetzte Zukunft. Unter ihnen Dr. Henning Vöpel. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts sprach über einen europäischen Ansatz der Digitalisierung: „Der Wettlauf um Daten und Künstliche Intelligenz bestimmt immer stärker den geopolitischen Machtkampf. Europa hat bisher keine eigene Antwort gefunden. Ein europäischer Weg der Digitalisierung muss Datenschutz und Innovation stärken, um Demokratie und Marktwirtschaft zu schützen.“

Eines der Highlights auf der Hauptbühne war der Leadership-Talk mit Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom. Er sprach mit Dr. Wladimir Klitschko, der mittlerweile nicht mehr nur für seine sportlichen Erfolge, sondern auch als Unternehmer bekannt ist. Inspiration für die Teilnehmer lieferte die von Klitschko entwickelte Methode „F.A.C.E. the Challenge“. Unternehmer werden täglich mit neuen Themen konfrontiert. So auch mit der Digitalisierung, die zum Teil bestehende Geschäftsmodelle grundlegend verändert. Die Unternehmen benötigen Mut und Konsequenz in der digitalen Transformation sowie einen Plan für den Veränderungsprozess und die notwendige Willenskraft. Die F.A.C.E.-Methode bietet eine klare Struktur für diese Herausforderungen und unterstützt dabei, gedankliche Hemmnisse aus dem Weg zu Räumen.

Auszeichnung norddeutscher Unternehmen

Vier norddeutsche Unternehmen sind in Sachen Digitalisierung schon ausgezeichnet unterwegs. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie nahmen auf der Digital X North den Preis als „Regionaler Digital Champion“ entgegen: König Digital Services GmbH & Co. KG aus Einbeck für „Kurts Toolbox“, die erste Toolsharing-Plattform der Welt. KONE GmbH aus Hannover für den automatisierten Aufzugsservice 24/7 Connect. Die VecCtor GmbH aus Lübeck für den Digitalisierungs-Hub SER.Gate und die Eucon Group aus Münster für ihr digitalisiertes Schadenmanagement via „Smart Claims“.