Kapstadt, das Tor zu Afrika
Interview mit Dr. Sumarie Roodt

Kapstadt und Hamburg: Zwei Städte auf zwei unterschiedlichen Kontinenten, die jedoch eine ganz besondere Sache gemeinsam haben. Beide sind Standorte von regionalen Netzwerken, die Unternehmen im Themenfeld der digitalen Wirtschaft vernetzen und informieren. Wir von Hamburg@work und die Silicon Cape Initiative haben uns der Aufgabe verschrieben, die Digitalisierung voranzubringen. Was liegt also näher als eine internationale Zusammenarbeit, um die Kompetenzen beider Initiative zusammenzubringen und einen nachhaltigen Mehrwert zu schaffen? Der Startschuss hierfür fiel mit dem gemeinsamen Kooperations-Abkommen im Rahmen des Südafrika-Festivals des 829. Hafengeburtstages.

Aus diesem Anlass haben wir uns sehr gefreut, Dr. Sumarie Roodt, Vorsitzende der Silicon Cape Initiative, bei uns begrüßen zu dürfen und mehr über die Silicon Cape Initiative und die Wirtschaft in Südafrika zu erfahren:

 

Sumarie, wie bist Du zur Silicon Cape Initiative gekommen? Erzähl uns mehr über Deine berufliche Laufbahn …

Gerne! Ursprünglich habe ich für viele Jahre im Bankensektor gearbeitet, was eine wundervolle Erfahrung war und mir, so direkt nach dem Abschluss von der Universität, die Möglichkeit gab, viel über die Funktionsweise von Unternehmen zu lernen. Es war mein erster Job, ich war Teil eines Absolventen-Programms und lernte dort unglaublich viel. Danach spezialisierte ich mich und begann, hervorgerufen durch mein starkes Interesse an High-Tech-Unternehmen, meinen MBA in Entrepreneural Finance und Private Equity. So nahmen die Dinge ihren Lauf und ich arbeitete viele Jahre sowohl im Ausland als auch in verschiedenen Regionen Südafrikas. Als ich zurück nach Kapstadt kam, nahm ich einen Job an der Universität an. Da ich einen Lehrauftrag in den Bereichen Technologie und Technology Entrepreneurship innehatte, wurde mir in der Initiative eine Position zuteil, in der ich für das Studenten- und Karriereportfolio zuständig war. Zu diesem Zeitpunkt wurde Silicon Cape ausschließlich von Ehrenamtlichen betrieben. Bedeutet: Es gab ein Mitgliedsgremium und man engagierte sich freiwillig. Nach meiner Arbeit in den unterschiedlichsten Positionen wurde ich schließlich zur Vorsitzenden gewählt.

Was macht die Silicon Cape Initiative und was bedeutet Deine Arbeit für die Western Cape Region?

Das Hauptziel der Silicon Cape Initiative ist es, Kapstadt und die Western Cape Region zu einem internationalen Innovations- und Start-Up-Hub zu machen. Zudem stellen wir nicht-finanzielle Ressourcen für unsere 10.000 Mitglieder und 500 Mitgliedsunternehmen zur Verfügung. Im Fokus steht aber natürlich das Networking! Ein Punkt, in welchem unsere beiden Initiativen sich sehr ähnlich sind. Meiner Meinung nach verbinden wir Menschen und Unternehmen. Wenn ein junger Unternehmer ein Start-Up gründen möchte, aber beispielsweise nicht weiß, wie man einen Business-Plan schreibt oder ihm Investoren fehlen, dann kann er zu uns kommen. Wir versuchen, ihn mit den richtigen Leuten in Verbindung zu setzen.

Kannst Du uns etwas über die Art Eurer Projekte erzählen und welche besonders erfolgreich sind?

Da gibt es einfach so viele! Kapstadt wurde vor kurzem zum Nr. 1 Start-Up-Hub der Emerging Markets gewählt. Ein Projekt, auf das ich ganz besonders stolz bin und das ich als mein Lieblingsprojekt bezeichnen würde, ist unsere Förderung von Frauen in den STEM-Fächern, also Science, Technology, Engineering und Maths. Eigens für dieses Gebiet haben wir einen Portfolio-Manager, der sich mit der Förderung von Frauen und Unternehmerinnen in der Western Cape Region befasst. Darüber hinaus veranstalten wir aber auch großartige Tech-Touren für Firmen und Interessierte, die aus dem Ausland kommen und ein Verständnis dafür gewinnen wollen, wie die Start-Up-Community in Kapstadt aussieht. Das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Auch für uns von Hamburg@work ist die Förderung von Frauen ein bedeutendes Thema. Mit unserem Women’s Club bringen wir zum Beispiel Macherinnen der Digital- und Medienwirtschaft zusammen – zum Erfahrungsaustausch und der Anregung neuer Impulse. Gerne würde ich nun über unsere spannende Kollaboration sprechen. Wir haben einen gemeinsamen Vertrag abgeschlossen – was erwartest Du dir davon?

Viele tolle Projekte! Eine Steigerung des wirtschaftlichen Austauschs – nicht nur zwischen den Städten Hamburg und Kapstadt – sondern zwischen der Metropolregion Hamburgs und dem Western Cape, das würde ich mir wünschen. Im Zuge dessen würden wir auf lange Sicht natürlich gerne sowohl die Gründung von deutschen Technologie-Start-Ups in Kapstadt und der Western Cape Region, als auch von südafrikanischen Start-Ups in Deutschland und letzten Endes in der EU sehen.

Gemeinsam können wir hier durchstarten und Neues auf den Weg bringen – Impulse für den wirtschaftlichen Austausch setzen. Kannst Du uns mehr über die Wirtschaft der Western Cape Region erzählen? Welche Herausforderungen siehst Du in diesem Bereich aktuell?

Die Arbeitslosenquote in Südafrika liegt derzeit bei 27,56 %. Obwohl wir im Vergleich zu anderen Regionen in der Western Cape Region die niedrigste Zahl an Beschäftigungslosen haben, ist die Quote immer noch viel zu hoch. Kapstadt hat 4,1 Millionen Einwohner, von diesen 4,1 Millionen sind 60% jünger als 35 Jahre. Das bedeutet wiederum, dass sehr viele junge Menschen arbeitslos sind. Das ist eine riesige Herausforderung! Hinzukommt, dass Südafrika aktuell unter einer schweren Dürreperiode leidet. Auch die deutschen Medien berichteten ja bereits über diese Thematik. In der Tat bereitet uns die Dürre große Probleme, denn viele Investoren, die nach Südafrika kommen, möchten sich aus diesem Grund nicht niederlassen. Diese beiden Punkte sind in meinen Augen die großen Herausforderungen: Die hohe Arbeitslosigkeit und die Wasserkrise. Es gibt noch politische Belange, wie etwa die Privatisierung von Land, über die gestritten wird, aber das hat keinen besonders großen Einfluss auf unsere Arbeit.

Du hast gerade die Arbeitslosigkeit und die Jugend angesprochen. Glaubst Du, dass Kapstadt ein guter Ort für die Gründung eines Start-Ups ist?

Absolut! Start-Ups sind genau das, worum sich bei uns alles dreht. In Kapstadt verzeichnen wir die meisten Co-Working Spaces in ganz Südafrika. Wir haben viele Acceleratoren und Inkubatoren. Die jungen Menschen sind dabei unsere Hauptzielgruppe, denn hier kommen zwei relevante Punkte zusammen: Unser Fokus auf Technologie einerseits und die Technikaffinität der Generation der Millenials andererseits.

Glaubst Du, es ist einfacher ein Start-Up in der Western Cape Region zu gründen als in Europa?

Das ist eine gute Frage. So schön alles klingt, man sollte den Blick für die Realität nicht verlieren. Es gilt einige Hürden zu überwinden, wenn man nicht aus Südafrika stammt und sein eigenes Unternehmen gründen möchte. Wenn man noch niemanden vor Ort kennt, kann es schwer werden, die richtigen Leute zu finden. Aber genau da kommen wir hoffentlich ins Spiel und können mit den richtigen Rahmenbedingungen Starthilfe geben. Ich denke, in diesem Bereich leisten wir schon jetzt gute Arbeit, können gleichzeitig aber noch viel von Hamburg@work lernen.

Digitale Transformation ist so ein Buzz-Word. Was bedeutet es für Dich und welche Bedeutung hat es für Afrika?

Meiner Meinung nach gibt es zwei Leitbegriffe der digitalen Transformation: Accessibility und Connectivity. Besonders in Afrika hatten wir hinsichtlich beider Punkte große Probleme. Laut verschiedenen Prognosen kann Afrika zu einem der am besten vernetzten Kontinente der Erde werden. Das Potential der digitalen Transformation und damit zusammenhängende Faktoren wie Mobilität, Logistik, soziale und staatliche Dienstleistungen auszuschöpfen und zu beeinflussen – dies wird man in Afrika live erleben können.

Dazu passt auch, dass Kapstadt wirklich als Knotenpunkt des gesamten Kontinents gilt. Wenn man nun also auf dem afrikanischen Markt mitmischen möchte ...

… dann sind wir die richtigen Ansprechpartner! Kapstadt wird von Unternehmen, Investoren und Start-Ups als Tor zu Afrika wahrgenommen. Und wir unterstützen die Ansiedlung vor Ort.

Was wiederum ganz gut zur Bezeichnung Hamburgs als „Tor zur Welt“ passt. Die letzte Frage betrifft nun aber das erste Event, das wir gemeinsam planen. Wir möchten gerne eine Learning Journey nach Südafrika veranstalten und das Silicon Cape besuchen, umso einen Einblick in Eure Arbeit zu erhalten. Was können unsere Mitglieder von diesem Trip erwarten?

Ein paar Details kann ich schon verraten. Eine aufregende und sehr interessante Entwicklung, welche gerade wirklich in aller Munde ist und die es näher zu besprechen gilt, ist die sogenannte „Township Economy“. Eben diese Arbeit in den Townships zu sehen und zu verstehen, wird für Eure Mitglieder sehr interessant werden. Des Weiteren werden Mitglieder von Hamburg@work die Gelegenheit bekommen, Kapstadt zu sehen und zu erleben, bevor die Stadt zu einer der Megacities der Zukunft heranwächst. Laut Vorhersagen soll es 2030 15 Mega-Städte in Afrika geben, Kapstadt ist eine davon. Gleichzeitig bietet sich für die Teilnehmer die einzigartige Gelegenheit, den gesamten Kontinent in einer Stadt kennenzulernen. Denn Kapstadt ist ein wahrer Schmelztiegel für Menschen aus ganz Afrika. Und letztlich bekommt Ihr hier die Möglichkeit zu sehen, was die digitale Transformation auf einem Kontinent wie Afrika bewirken kann. Kapstadt ist hier nur der Anfang!