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Wem gehören unsere Daten?
Und wie gewinnen wir die Kontrolle zurück?

Erkenntnisse aus der Veranstaltungsreihe Blockchance Online Live – #1
 

„Daten sind bereits das neue Gold der Datenökonomie – warum also verschenken wir unsere Daten umsonst?“ Das war eine der Hauptfragen, die der Moderator Sönke Mißfeld mit Ragnar Kruse, Gründer der AI for Hamburg und AI Invest, Manan Patel, Experte für Blockchain- und Kryptowährungen, und Dr. Klaus Holthausen, Gründer von TEAL AI, bei der ersten BLOCKCHANCE Online LIVE Show diskutierte. Die Initiatoren haben die Schlüsselargumente und Erkenntnisse der Diskussion zusammengefasst, um – ganz im Sinne einer kollaborativen Intelligenz – eine Debatte über die Veranstaltung hinaus zu ermöglichen. Hamburg@work ist begeistert von dieser Idee und lädt ebenfalls zum mit- und weiterdenken ein.


Übersetzt aus dem Englischen, den Originaltext findest du auf dem BLOCKCHANCE Blog.



Wirtschaftlichkeit durch Big Data und künstliche Intelligenz
Heutzutage geben wir alle unsere Daten freiwillig und kostenlos weiter – für die Nutzung der Dienste großer Internetfirmen. Unsere Daten gehören zum Kern der größten und wertvollsten Unternehmen der Welt, die folglich ein Interesse daran haben, so viele Daten wie möglich zu sammeln. Davon profitieren natürlich auch wir: Wir sind in sozialen Netzwerken aktiv, erhalten personalisierte Werbung oder relevante Empfehlungen auf digitalen Marktplätzen.

Unsere Daten werden derzeit vor allem für die Erstellung von Profilen zur exakten Ansprache möglicher Kunden und einer damit verbundenen Steigerung der Werbewirksamkeit genutzt. Zu diesem Zweck sammeln die großen Internetunternehmen alle Daten, die von den verschiedenen Geräten im täglichen Gebrauch gelesen werden können: zum Beispiel Bewegungsprofile, App-Nutzungsverhalten oder Gesundheitsdaten. Weltweit nutzen täglich 3,5 Milliarden Menschen ein Smartphone und die Menge der erzeugten Daten ist gigantisch. Diese Datenmengen werden heute mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert, um Verhaltensmuster zu erkennen. Auf der Grundlage dieser Muster kann die künstliche Intelligenz immer genauere Vorhersagen über das menschliche Kaufverhalten treffen. 
 

Blockchain ist der Schlüssel zu einem demokratischen und transparenten Daten-Ökosystem
Wenn wir die Kontrolle über unsere Daten zurückgewinnen wollen, müssen wir die Art und Weise revolutionieren, in der Daten gespeichert, verwendet, abgerufen und kontrolliert werden. Es gibt drei Hauptaspekte bei der künftigen Nutzung unserer Daten:

1.         Wir sollten sie besitzen

2.         Wir sollten in der Lage sein, sie zu monetarisieren

3.         Wir sollten dafür ein Mikromanagementsystem einrichten

Die heutigen Strukturen bringen viele Risiken mit sich. Die Datensilos fassen enorme Datenmengen, was sie zu einem Honeypot für Hacker macht. Die bloße Möglichkeit, dass die Daten gehackt werden können, resultiert darin, dass riesige Mengen unserer persönlichen Daten auch tatsächlich gehackt werden (z.B. Kreditkartendaten). Die Daten befinden sich in der Obhut der großen Unternehmen, aber sie fühlen sich für den Verlust unserer Daten nicht verantwortlich! Der gesamte Datenmarkt kann als eine Art Blackbox betrachtet werden. Wir wissen nicht, wie die Daten verwendet werden oder an wen sie verkauft werden. Um Dinge wie die Manipulation der US-Präsidentschaftswahlen 2016 durch Cambridge Analytica zu vermeiden – ein Datenanalyse-Unternehmen, das unentschlossene Wähler ins Visier nahm, um ihnen Wahlwerbung für Donald Trump zu zeigen – brauchen wir eine neue Datenökonomie.

Die neue Datenökonomie und Datenmarktplätze
Aber für all diese Probleme gibt es eine Lösung: die Blockchain-Technologie. Die Daten werden transparent, sicher und dezentral gespeichert. Auf der Grundlage der Blockchain könnte man ein Mikromanagement der Daten einrichten, das eine Kontrolle der Daten garantiert, indem es bestimmten Parteien Zugang zu bestimmten Daten gewährt. Wenn wir die Kontrolle über die Speicherung und damit über den Zugriff auf unsere eigenen Daten wiedererlangen, können wir direkt an den Einnahmequellen partizipieren. Für die Teilnahme benötigen wir nicht nur ein Umdenken und ein wachsendes Verständnis von Datenwerten auf der Nutzerseite, sondern auch einen Marktplatz, auf dem die Daten gehandelt und bewertet werden können.

Es gibt verschiedene Ansätze für die Bewertung von Daten. So berechnen die Werbefirmen heute zum Beispiel pro Impression, Klick, Ansicht oder Anzeige, normalerweise pro Tausend. 1000 Impressionen würden etwa 10 US-Dollar kosten. Die Daten, die verwendet werden, um uns als potenzielle Kunden anzusprechen, stammen von Datenmanagement-Plattformen, die 1,50 US-Dollar pro 1000 berechnen. Man könnte also den Datenpreis auf etwa 15 % des Anzeigenpreises festlegen. Vereinfacht könnte man sagen, dass etwa 15-20 % der Werbeeinnahmen der großen Internetfirmen von den Nutzern in Rechnung gestellt werden könnten.

Ragnar Kruse, der ein Adtech-Unternehmen gründete, stellte eine einfache, aber elementare Frage: „Warum? Warum nicht? Meine Daten werden verwendet, warum bin ich nicht an den Einnahmen beteiligt?" Fakt ist, dass der Benutzer noch nicht an den Einnahmen beteiligt ist. Zweifellos ist der Datensatz einer Person nicht sehr wertvoll, Menschen neigen dazu, den Wert ihrer Daten zu überschätzen. Hier gilt der andere Ansatz: Automated Market Maker (AMM). Im Grunde handelt es sich dabei um einen Algorithmus, der einen Preis auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage festlegt und somit den Markt automatisiert.

Wie werden Amazon, Google und Facebook auf die Einführung einer Blockchain-basierten Datenwirtschaft reagieren?
Nutzerdaten sind der Kern der Geschäftsmodelle von Amazon, Facebook und Google – es ist eher unwahrscheinlich, dass sie die Souveränität über die Daten einfach abgeben werden. Brauchen wir also eine politische Revolution oder wird der Nutzer irgendwann einen Wandel einfordern?

Es gibt drei mögliche Szenarien:

1.         Die Internetfirmen betten die Technologie einfach selbst ein, was sehr wahrscheinlich passieren wird. Zum Beispiel plant Facebook mit Libra eine eigene Krypto-Währung und Amazon könnte sich leicht von einem Marktplatz für Waren zu einem Marktplatz für Daten entwickeln.

2.         Die Regierung oder andere öffentliche Einrichtungen erlassen neue Gesetze und Vorschriften, die zentralisierte Datenstrukturen verbieten.

3.         Die Verbraucher fordern eine Änderung und übernehmen die Blockchain-Technologie. Das ist die Option, nach der wir streben sollten. Aber es hängt hauptsächlich von den Blockchain-Entwicklern ab. Die meisten Verbraucher verstehen die Funktionalität von Blockchain nicht und werden sie auch nie verstehen. Um sie zur Nutzung von Blockchain-Diensten und -Anwendungen zu bewegen, müssen diese einfach zu bedienen sein und eine gute Benutzererfahrung garantieren. Es ist wichtig, die Komplexität von Blockchain zu reduzieren.

Wenn wir wollen, dass die Verbraucher diesen Wandel fordern, müssen wir nicht nur die Komplexität von Blockchain reduzieren, sondern auch eine neue Kultur einführen, erklärte Dr. Klaus Holthausen: „Das branchenführende Unternehmen, das nach Amazon kommt, muss auf einer Kultur des Dateneigentums für die Nutzer aufgebaut werden – aber das müssen wir lernen, es ist völlig neu.“

Schumpeter sagt über die Marktrevolution, dass wenn es eine Veränderung der Marktorganisation gibt, wird es eine Revolution hervorrufen. Blockchain könnte diese organisatorische Veränderung bringen: zum Beispiel ein Blockchain-basiertes Youtube, bei dem jedes Video mit einem intelligenten Vertrag versehen ist und man den Inhalt als Währung verwenden würde. Sie könnten einen selbstorganisierten Marktplatz aufbauen. Auch Blockchain und KI sind im Entstehen begriffen. Unser Experte Manan Patel erwartet eine schnelle Umsetzung von Blockchain und KI in der Datenwirtschaft: „Wir können nicht erwarten, dass die Mehrheit der Tech-Leute daran arbeitet. Aber wenn es erst einmal weit verbreitet ist, werden wir zum Beispiel die Corona-App auf Blockchain laufen sehen. Wir befinden uns nicht mehr im Anfangsstadium, sondern wir bewegen uns rapide auf die Zukunft zu."

Werden öffentliche Institutionen die neue Datenwirtschaft prägen oder müssen wir uns auf ein paar Blockchain-Visionäre verlassen?
Die zukünftige Rolle der Regierungen und öffentlichen Institutionen bleibt unklar. Es gibt viele verschiedene konkurrierende politische Interessen. Die Europäische Kommission hat versucht, ein drittes System der Datennutzung zu modulieren. Dieses System soll – anders als das chinesische System, in dem alle Daten von den großen chinesischen Internetfirmen wie Alibaba und Tencent getrackt und dann an die Regierung weitergegeben werden, die die Daten benutzt, um die totale Kontrolle über das Volk zu behalten, indem sie politische Dividenden verfolgt und Propaganda verbreitet – geschützt sein. Es unterscheidet sich auch vom amerikanischen System, in dem die Regierung einerseits Facebook, Google und Amazon vor den europäischen Datenschutzbestimmungen wie DSGVO schützt und nur dann Datenschutzgesetze erlässt, wenn es um die nationale Sicherheit geht (z.B. der Streit um TikTok).

Europa bräuchte nicht nur ein Datenschutzgesetz, sondern auch einen eigenen Ansatz zum Aufbau eines sozialen Netzwerks oder Datenmarktplatzes, um einen systemischen Gegenentwurf zum amerikanischen und chinesischen System zu konstruieren. Ein System, in dem der Nutzer Eigentümer der Daten ist und der Missbrauch von Daten verhindert wird. Es ist einfacher, proaktiv ein System aufzubauen, das auf den Werten einer demokratischen, dezentralisierten und fairen Datenwirtschaft aufbaut, als einen ordnungspolitischen Rahmen zu finden, der das Dateneigentum tatsächlich von der Wirtschaft zurück auf die Menschen verlagert. Gesetze und Regulierungen erwachsen aus den Sozialwissenschaften, aber die Technologie entwickelt sich schneller als die Wissenschaft und daher auch als die Gesetzgebung.

Unsere Vision für die Zukunft der Daten
Wir alle müssen an der Vision einer demokratischen und selbstbestimmten Datenwirtschaft arbeiten. Bis dahin gibt die Europäische Kommission der Strafverfolgung eine mächtige Legitimation: die DSVGO. Wenn die Strafverfolgungsbehörden alle Verstöße gegen die DSVGO streng verfolgen und die höchsten Strafen von bis zu 4% der weltweiten Einnahmen verhängen würden, gäbe es eine stärkere Kontrolle der Internetfirmen, und so wären diese gezwungen, ihre Prozesse anzupassen. Wir brauchen eine Kultur des Dateneigentums, ein Regelwerk zum Schutz von Daten, eine Infrastruktur für die sichere Speicherung und den sicheren Handel mit Daten und vor allem das Bewusstsein der Menschen, dass sie die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen müssen.


BLOCKCHANCE ONLINE LIVE ist eine monatlich online ausgestrahlte Talkshow, die Branchenführer und innovative Referenten zusammenbringt, um neue Ideen und Konzepte zu Blockchain, KI und nachhaltigen Zukunftstechnologien zu diskutieren.

Den vollständigen Mitschnitt der Online-Diskussion zum Thema „Wem gehören unsere Daten? Und wie gewinnen wir die Kontrolle zurück?“ findest du hier auf YouTube.