Ziele für nachhaltige Entwicklung 2030:
Eine globale Mission für die Menschheit und aufstrebende Technologien

Erkenntnisse aus der Veranstaltungsreihe Blockchance Online Live – #2
 

"How to hack the planet?" Mit dieser Frage haben sich Marc Buckley, ESG Berater und Mitglied des Weltwirtschaftforums, Brian Islie, Gründer und CEO von slavefreetrade sowie Alyze Sam, Mitgründerin von Give Nation und Vorsitzende bei Women in Blockchain, bei der zweiten BLOCKCHANCE Online LIVE Show beschäftigt. Entstanden ist eine Analyse, warum Blockchain, KI und andere aufkommende Technologien dazu beitragen werden, die Ziele für nachhaltige Entwicklung (kurz SDGs, aus dem Englischen von Sustainable Development Goals) zu erfüllen und warum man die SDGs als den ersten globalen „Moonshot“ überhaupt bezeichnen kann. Die Initiatoren haben auch dieses Mal die Schlüsselargumente und Erkenntnisse der Diskussion zusammengefasst, um – ganz im Sinne einer kollaborativen Intelligenz – eine Debatte über die Veranstaltung hinaus zu ermöglichen. Hamburg@work ist begeistert von dieser Idee und lädt ebenfalls zum mit- und weiterdenken ein.


Übersetzt aus dem Englischen, den Originaltext findest du auf dem BLOCKCHANCE Blog.



Die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

Die von 193 Ländern unterzeichneten SDGs, die 2015 gegründet wurden, kann man als den ersten globalen „Moonshot“ überhaupt bezeichnen. Über Barrieren, Ethnien und Kontinente hinweg einigten sich die Staats- und Regierungschefs aller Länder – zum ersten Mal – auf eine gemeinsame Vision für die Zukunft der Welt, in der wir leben.

Das sogenannte Moonshot Thinking beschreibt eine Brainstorming-Technik für radikale Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die darauf abzielt, ein Produkt direkt um den Faktor 10 statt schrittweise zu verbessern. Dieser Denkansatz wird meist mit neu entstehenden Technologien in Verbindung gebracht. Das Unternehmen Google hat sogar sein eigenes Moonshot Labor: Google X. Dennoch:  Die SGDs sind etwas anderes. Sie sind ein neues Paradigma, ein neuer globaler Aktionsplan in eine wünschenswertere Zukunft. 

Ein globaler Aktionsplan in eine wünschenswertere Zukunft

Um zu erkennen, wie revolutionär ein Abkommen wie die SDGs ist, muss man sich internationale Abkommen ansehen, bei denen es nicht möglich ist, einen Konsens zu finden, obwohl teilweise nur zwei Länder miteinander verhandeln. Die Interessen der Gesprächsteilnehmer sind manchmal schlichtweg zu verschieden.
Die 17 SGDs zusammengenommen schaffen eine Utopie für eine nachhaltige Zukunft. Nicht nur für Länder, Industrien oder Menschen, sondern für die ganze Welt.

Marc Buckely, Fürsprecher der UN-SDGs und Gast bei der zweiten BLOCKCHANCE Online LIVE Show, zeichnet ein Bild des Jahres 2030, wenn alle Ziele erreicht sind: „Stellen Sie sich eine Welt vor, in der es keine Armut und keinen Hunger gibt. Eine Welt, in der überall Gesundheit und Wohlstand herrscht, eine hochwertige Bildung und volle Gleichstellung der Geschlechter. Es gibt sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen für alle. Erschwingliche und saubere Energie hat menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum geschaffen. Unser Wohlstand wird durch Investitionen in eine widerstandsfähige Industrie, Innovation und Infrastruktur angeheizt und das hat die Ungleichheiten verringert. Wir leben in nachhaltigen Städten und Gemeinden. Verantwortungsbewusster Konsum und Produktion haben unseren Planeten geheilt! Der Klimawandel hat die Erwärmung unseres Planeten gestoppt und umgekehrt: Wir haben ein blühendes Leben unter Wasser und ein vielfältiges Leben an Land. Wir erfreuen uns des Friedens und der Gerechtigkeit durch starke Institutionen und haben langfristige Partnerschaften für diese Ziele aufgebaut. Für uns ist das eine Welt, in der wir leben wollen!"

Ein globaler Rahmen für die Wirtschaft, die Regierungen und die Menschen

Warum brauchen wir diese Ziele und warum kämpfen die Menschen dafür? Hunderte von Millionen Menschen haben noch immer keinen Zugang zu sauberem Wasser, Bildung, sanitären Einrichtungen und Nahrung. Diese Tatsache sollte nicht überraschen, aber sie sollte schockieren! Wenn wir die SDGs erreichen, wird die Menschlichkeit allen das bieten, was Maslow sowohl die physiologischen Bedürfnisse als auch die Sicherheitsbedürfnisse nannte. Nachhaltigkeit bedeutet, dass diese Ziele über mehrere Generationen hinweg bestehen sollten, auch wenn sie erreicht werden. Sie sollten die Grundlage für jegliche Weiterentwicklung bilden, sozusagen das Mindestmaß an Menschlichkeit, das wir nie wieder unterschreiten.

Das größte Missverständnis von Einzelpersonen und Unternehmen in Bezug auf die SDGs besteht darin, eines oder vielleicht sogar drei oder vier der Ziele herauszupicken und zu versuchen, sie in ihrem täglichen Leben oder in ihren Geschäftsmodellen umzusetzen. Wir müssen die SDGs als großes Ganzes betrachten, als eine Vision, Silo-Denken zu überwinden und in einem systematischen Ansatz zur Lösung von Problemen zu kommen.

Environmental, Social Governance (ESG) bietet ein riesiges Potenzial für Investoren und Unternehmen

ESG bedeutet Environmental, Social Governance und beschreibt den Prozess der Bewertung der unternehmerischen sozialen Verantwortung und kann als breiterer Begriff für Corporate Social Responsibility (CSR) definiert werden. Die Anwendung der SDGs und damit die Übernahme von ESG-Kriterien und deren Umsetzung in Kerngeschäftsmodelle bietet auch ein enormes Potenzial für Unternehmen und Investoren. Insbesondere während der Covid-19-Krise, aber auch in vielen anderen Krisen davor, haben Unternehmen mit einem hohen ESG-Standard ihre konventionellen Pendants in 8/10 Fällen übertroffen.

Die meisten konventionellen Unternehmen, insbesondere im Energiesektor, haben eine natürliche Wachstumsgrenze, ein Wechsel zu einem ESG-konformeren Geschäftsmodell bietet die Möglichkeit für ein längeres und nachhaltigeres Wirtschaftswachstum. Soziale und ökologische Leitwerte müssen in die Geschäftsmodelle integriert werden, um in Krisenzeiten widerstandsfähiger zu werden. Wir stehen vor einem herausfordernden Jahrzehnt der Unsicherheit, in dem weitere Krisen auftreten werden. Es ist ein Jahrzehnt, in dem die alte darwinistische Sichtweise vom Überleben des Stärkeren keine Anwendung mehr finden wird: Es wird das Überleben des Nachhaltigsten sein!

Warum Blockchain ebenso Vertrauen braucht wie schafft
Die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle ist eng mit der Einführung neuer Technologien verbunden. Innovative Technologie ermöglicht es uns, das Tempo des Wandels beizubehalten und alle SDGs benötigen meist Technologie, um erreicht zu werden.

Es gibt einige aussagekräftige Beispiele dafür, wie Technologie und insbesondere Blockchain zur Erfüllung der SDGs beitragen könnten. Um die Auswirkungen möglicher Blockchain-Anwendungen zu veranschaulichen, brauchen wir nur einen Blick auf die US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 zu werfen. Präsident Donald Trump hat Zweifel an der Sicherheit der Briefwahl gesät und wird nun vor Gericht versuchen, die Gültigkeit der Briefwahlstimmen von den meist demokratischen Briefwählern anzufechten. Aber wie ist das überhaupt möglich? Die USA haben die fortschrittlichste und mächtigste IT-Industrie der Welt, aber sie sind nicht in der Lage, eine effiziente, vertrauenswürdige Wahl zu garantieren?

Brian Iselin ist der Meinung, dass ein blockchainbasiertes, dezentralisiertes und vertrauenswürdiges System die Antwort sein könnte. Und was wir sehen, ist nicht ein Mangel an Möglichkeiten, sondern ein Mangel an tatsächlichem Gestaltungswillen. Die Blockchain Technologie als Werkzeug sei bereits vorhanden und warte nur auf ihren Einsatz. Was fehle, sei ein mehrheitlicher Konsens darüber, blockchainbasierte Lösungen zu suchen und zu finden. Denn die Wirtschaft brauche diese Vertrauensgrundlage, um Investitionen zu tätigen. Wir brauchten einen Systemwandel – denn das Geld müsse dorthin fließen, wo es die größte Wirkung auf die menschliche Entwicklung erzielen würde. Nur so könne die Blockchain Technologie ihren Erwartungen gerecht werden.

Es gibt bereits wirksame Lösungen: Das Welternährungsprogramm schuf eine Anwendung, mit der 87 Millionen Mahlzeiten an 50 Millionen Menschen geliefert wurden. Die digitale Plattform Ourz nutzt Blockchain für die Rückverfolgbarkeit und volle Transparenz der Lebensmittelversorgungsketten und arbeitete mit dem Lebensmittelunternehmen Frosta zusammen, um gefrorenen Fisch vom Fang bis zur Tiefkühltruhe zu verfolgen. Ein weiteres Beispiel liefert die Universität Den Haag: Sie versucht, Ausweisdokumente für alle zur Verfügung zu stellen. Nahezu zwei Milliarden Menschen auf der ganzen Welt haben keine Möglichkeit zur Identifizierung. 21 Millionen von ihnen in den USA. Das sind Menschen, denen elementare Rechte, wie das Wählen oder die Eröffnung eines Bankkontos, vorenthalten bleiben.

Lieferketten ohne moderne Sklaverei mithilfe von slavefreetrade

In Großbritannien haben 75% aller Unternehmen höchstwahrscheinlich moderne Sklaverei in ihrer Lieferkette und damit in ihren Produkten. Egal ob ein neues Telefon, Kleidung oder Lebensmittel: Die meisten Produkte, die in der westlichen Hemisphäre konsumiert werden, werden von Erwachsenen und Kindern hergestellt, die in moderner Sklaverei arbeiten. In Freiheit zu leben und zu arbeiten sollte ein grundlegendes Menschenrecht sein. Die SDGs könnten helfen, die Menschenrechte als Grundlage für alle Ziele zu definieren.

In Freiheit zu leben und zu arbeiten sollte ein grundlegendes Menschenrecht sein

Um Menschen aus der Sklaverei zu befreien, braucht es Zeit, Geld, Technologie und die Möglichkeit, die Lieferketten nachzuvollziehen und transparent zu machen. slavefreetrade hat eine solche Anwendung geschaffen. Ein System, das Vertrauen in drei Kernbeziehungen bringt, in denen es kein Vertrauen gibt: Verbraucher und Einzelhändler, Lieferant und Produzent sowie Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Akteure kennen sich entweder nicht oder haben eine unterschiedliche Position und somit Entscheidungsspielraum.

slavefreetrade koordiniert diese Akteure, bietet eine unabhängige und neutrale Plattform und ermöglicht es, menschenwürdige Arbeit nachzuweisen. Menschenrechte am Arbeitsplatz werden gemessen, quantifiziert und auf vertrauenswürdige Weise an Personen vermittelt, deren Entscheidung durch die Informationen beeinflusst werden könnte. Unternehmen könnten damit nicht mehr bloß vorgeben, Menschenrechte innerhalb ihrer Lieferketten zu achten, sondern wären sich der Möglichkeit der Kontrolle stets bewusst.

Das Zeitalter des Neoliberalismus muss enden

Es gibt viele Anwendungen und Ideen, wie die größten Probleme unserer Zeit gelöst werden können. Aber wir brauchen eine neue Denkweise. Wir müssen das Zeitalter des Neoliberalismus beenden und einen neuen Konsens über Zusammenarbeit und Kooperation finden. Wenn das Ziel nicht darin besteht, das meiste Geld zu verdienen, sondern eine positive Wirkung zu erzielen, würden Unternehmen leichter zusammenarbeiten. Wenn es um Marktanteile geht, dann streben die Konzerne danach, Anteile zu gewinnen und besser als ihre Konkurrenten zu sein, aber wenn sie für eine bessere Zukunft arbeiten, dann würden sie sich freuen, wenn hundert Unternehmen wie das ihre an einer nachhaltigen Welt arbeiten.

Es gibt fast 8 Milliarden Menschen auf der Welt, alle mit unterschiedlichen Problemen, und alle Probleme brauchen unterschiedliche Lösungen. Aber die SDGs bieten einen Rahmen für ein Mindestmaß an Möglichkeiten, die jedem Einzelnen gegeben werden sollten.

Eines muss dabei jedoch klar sein: Die SDGs sind eine lebenslange Reise und es gibt keinen Punkt, an dem wir aufhören können zu arbeiten. Doch es müssen gar nicht alle Ziele auf einmal erreicht werden, wir brauchen nur die kritische Masse! Lasst uns also die Grundlage für eine wünschenswerte Zukunft schaffen.


BLOCKCHANCE ONLINE LIVE ist eine monatlich online ausgestrahlte Talkshow, die Branchenführer und innovative Referenten zusammenbringt, um neue Ideen und Konzepte zu Blockchain, KI und nachhaltigen Zukunftstechnologien zu diskutieren.

Den vollständigen Mitschnitt der Online-Diskussion zum Thema „Wem gehören unsere Daten? Und wie gewinnen wir die Kontrolle zurück?“ findest du hier auf YouTube.