Regulierung 4.0: Wer hat Angst vor Hackern?
 

Virtuelle Attacken wie das Eindringen in sensible digitale Infrastrukturen oder der Diebstahl von Kundendaten und -passwörtern aus Unternehmensdatenbanken sind schon lange keine Seltenheit mehr. Spätestens seit Anfang des Jahres die Daten des Bundesvorsitzenden der Grünen Robert Habeck geklaut und im Netz verbreitet wurden, wird das Thema Cyberattacken wieder viel diskutiert.

Seitdem selbst kleinste Alltagshandlungen vom Online-Einkauf bis zur mobilen Recherche nach der nächsten Eisdielen Datenspuren hinterlassen, wird es immer schwieriger, die Grenze zwischen öffentlich und privat zu ziehen. Es stellt sich nicht nur die Frage, inwieweit der private Raum überhaupt noch existiert, sondern – viel pragmatischer – wie Daten im Allgemeinen geschützt werden können.

„Wenn Hacker in das Privatleben von Politikern, Prominenten oder Bürgern eindringen, verletzen sie nicht nur deren Privatsphäre. Es braucht einen Staat, der zur digitalen Selbstverteidigung ermutigt.“ 1

Wie lernen wir also den verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalisierung? „Es wäre naiv zu glauben, dass sich Plattformen wie Facebook und Amazon von selbst zum Besten für unsere Gesellschaft regulieren.“ 2 Der Handlungszwang liegt daher in der Gesellschaft verankert: Zum einen muss sich der Einzelne mit den Werkzeugen der Digitalisierung, ihrem Einsatz sowie dessen Konsequenzen auseinandersetzen. Zum anderen müssen sich Unternehmen immer wieder die Frage stellen, wohin der Digitalisierungsprozess gehen soll. Ihnen kommt in diesem Kontext eine besondere Rolle zu, denn für viele Mitarbeiter gehört der Gebrauch digitaler Werkzeuge zum Arbeitsalltag. An dieser Stelle muss ein Bewusstsein für Transformation – und die damit verbundenen Chancen, aber auch Risiken – geschaffen werden. Was bewirke ich mit der Veröffentlichung meiner Daten und wie schütze ich sie? Es müssen Infrastrukturen für die digitale Allgemeinbildung der Bevölkerung geschaffen werden. Nur so können wir sensibilisieren.

Zudem muss dafür gesorgt werden, dass sich die Gesellschaft mit Big Data sowie ähnlichen Themen und Technologien auseinandersetzt, indem und damit sie Zukunftsvisionen kreiert. Wofür und wie sollen digitale Tools eingesetzt werden? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir überlegen, wie die Gesellschaft, das Arbeitsleben, aber auch wie die Unternehmen der Zukunft aussehen sollen. Jeder Einzelne kann und sollte die Digitalisierung mitgestalten. Eine besondere Rolle dabei spielen Unternehmen, denn unzählige Mitarbeiter setzen jeden Tag digitale Werkzeuge ein. Umso wichtiger ist die Frage: Wozu werden diese eingesetzt? Mit welcher Intention? Und mit welcher Haltung? 2

Schlussendlich geht es also um viel mehr als um die Abwehr von Cyberattacken und den Schutz unserer Daten. Es geht um einen Mentalitätswandel innerhalb der Gesellschaft, der die Digitale Transformation nicht als Gefahr, sondern vielmehr als Chance für eine neue Welt begreift, an der wir mitgestalten können. Angst vor Hackern? Im Falle Habeck gilt es, die Hintermänner des Datenklaus gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen und somit gesellschaftsjuristische Regeln zu etablieren. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, aus eben diesen Fehlern, wie Habeck sie machte, zu lernen, wie wir mit sozialen Medien und der Öffentlichkeit unserer Daten umgehen. Habecks Entscheidung, sich aus den sozialen Netzwerken zu verabschieden erstickt diesen unbedingt notwendigen Lern- und Sensibilisierungsprozess im Keim.

 

1 https://www.sueddeutsche.de/digital/nocun-doxingskandal-hacker-privatsphaere-1.4287342

2 https://www.lead-digital.de/wir-muessen-den-verantwortungsvollen-umgang-mit-der-digitalisierung-erst-noch-lernen/

 

Von Laura Bernschein | Fotocredit: Markus Spiske / Unsplash